Ihre Sehkraft ist uns wichtig

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) kann bei Menschen über 50 Jahren zu schweren Seheinbußen führen. Ein zu später Therapiebeginn führt nicht selten zu irreversiblen Schäden der Netzhaut. Unser Ziel ist es, Ihre Sehkraft zu erhalten und Ihnen eine bestmögliche Behandlung zu bieten. Wir nehmen uns Zeit, mit Patienten und deren Angehörigen über die Erkrankung zu sprechen und Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.  

Unser nächster Infonachmittag zum Thema Makuladegeneration findet am 23. März 2017 im Elisabethsaal des Elisabeth-Krankenhauses in Halle statt. Anmeldungen sind hier möglich.

Funktion und Bedeutung der Makula

Die Makula – der wichtigste Teil der Netzhaut

Die Makula, auch gelber Fleck genannt, liegt in der Mitte der Netzhaut, im hinteren Teil des Auges.

Die Makula enthält die Fovea, die Stelle des schärfsten Sehens. Die farbsehenden Fotorezeptoren sind in diesem Bereich besonders dicht angeordnet (140,000 Zapfen pro Quadratmillimeter). Die Makula ist nur wenige Millimeter groß ist und nimmt lediglich einen Bruchteil der Gesamtfläche der Netzhaut ein.  Möchten wir einen Gegenstand anschauen, fixieren wir diesen mit der Fovea. Die strukturelle Unversehrtheit der Makula ist daher wichtig für das Erkennen von Gesichtern und Gesichtsausdrücken, zum Lesen, Fernsehen, Autofahren und das Ablesen der Uhrzeit. Das Wahrnehmen feiner Details und auch das scharfe Sehen in der Ferne setzen eine funktionierende Makula voraus. Die periphere Netzhaut ist wichtig für das Erkennen von Bewegungen und unsere sichere Orientierung im Raum, kann aber die Funktion der Makula nicht ersetzen.


Ihr erster Selbsttest  auf eine Netzhauterkrankung: Das Amsler-Gitter

Das Amsler-Gitter ist ein guter Test, der wichtige Hinweise auf mögliche Veränderungen der Netzhaut gibt und auch zuhause durchgeführt werden kann. Zum Selbstausdruck können sie sich hier den Amsler-Gitter-Test herunterladen.

Anleitung zur Verwendung des Amsler-Gitter-Tests:

  • Wenn Sie eine Brille oder Kontaktlinsen verwenden, benutzen Sie diese bitte auch beim Test.
  • Testen Sie das rechte und das linke Auge getrennt – halten Sie z. B. das andere Auge mit der Hand zu.
  • Halten Sie das Amsler-Gitter auf Lesedistanz (ca. 30 cm).
  • Fixieren Sie den schwarzen Punkt in der Mitte.
  • Beurteilen Sie nun, wie die Linien rund um den schwarzen Punkt aussehen.
  • Wiederholen Sie den Test mit dem anderen Auge.
  • Sehen Sie verzerrte, verbogene oder verschwommene Linien oder erscheinen Ihnen die Linien unterbrochen oder fehlen sie sogar ganz, sollten möglichst zeitnah Ihren Augenarzt oder das Institut für Augenheilkunde aufsuchen. Erwähnen Sie bei der Terminvereinbarung die Dringlichkeit!

Stadien der altersbedingten Makuladegeneration (AMD)

Gesunde Netzhaut  

Sie sehen die Farbaufnahme eines gesunden Augenhintergrundes. Aus dem Sehnerven treten Gefäße aus, welche die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen. Die Makula mit der Stelle des schärfsten Sehens ist dunkler gefärbt als die umliegenden Netzhautbereiche. Diese Dunkelfärbung wird durch das makuläre Pigment hervorgerufen, welches die Makula vor oxidativem Stress und photochemischen Schäden schützt.

Die Aufnahme ist kontrastreich und alle Linien sind gerade.
Im Amsler-Gitter-Test gibt es keine Auffälligkeiten: Die horizontale und vertikalen Linien verlaufen gerade ohne Unterbrechungen.
Gesunde Netzhaut

 

Frühstadium der trockenen Makuladegeneration

Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit für Ablagerungen unter der Netzhaut, die als Drusen bezeichnet werden. Bei mehr als 30 % der Patienten zwischen 75 und 85 Jahren finden sich solche Netzhautveränderungen, ohne dass hieraus zwangsläufig eine Sehverschlechterung entsteht. In der Regel treten erst dann Beschwerden auf, wenn die Drusen zunehmen und auch die Fovea mit betroffen ist. 

Das Bild wirkt etwas verzogen, die Farben im Zentrum erscheinen gräulich.
Im Amsler-Gitter-Test sind die horizontalen und vertikalen leicht verzogen.
Frühstadium der trockenen Makuladegeneration

 

Spätstadium der trockenen Makuladegeneration

Es kommt zu einem Absterben (Atrophie) der Sinneszellen (Fotorezeptoren) im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens. Der Bereich abgestorbener Fotorezeptoren im Sehzentrum dehnt sich langsam immer weiter aus, was als geografische Atrophie bezeichnet wird. In diesem Stadium werden Gesichter nicht mehr richtig erkannt und Lesen wird zunehmend schwierig.

Im Zentrum des Gesichtsfeldes befindet sich ein dunkler Fleck. Die Peripherie kann noch erkannt werden, so dass eine Orientierung im Raum weiterhin eingeschränkt möglich ist.
Im Amsler-Gitter-Test fehlen die Linien im Zentrum. Hier befindet sich ein dunkler Fleck.
Spätstadium der trockenen Makuladegeneration

 

Feuchte Makuladegeneration

Die trockene  AMD kann innerhalb kurzer Zeit in die feuchte Form der AMD umschlagen. Ursache hierfür sind krankhafte Blutgefäße, die unter die Netzhaut wachsen und einen Austritt von Flüssigkeit verursachen, der für eine rasche Sehverschlechterung sorgt.

Eigentlich gerade Linien im Bild erscheinen plötzlich gewellt und das Zentrum des Bildes ist unscharf.
Im Amsler-Gitter-Test sind die Linien plötzlich vermehrt gewellt und in der Mitte des Gesichtsfeldes wird einen grauer Fleck wahrgenommen.
Feuchte Makuladegeneration

Ursachen der AMD

Grundsätzlich ist die AMD eine multifaktorielle Erkrankung, d. h. sie wird durch eine Kombination von verschiedenen Faktoren verursacht. Sind Familienangehörige bereits von AMD betroffen, besteht ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung. Andere Faktoren, wie z. B. das Rauchen, ungesunde Ernährung oder übermäßige Sonneneinstrahlung lassen sich entsprechend positiv beeinflussen.

 

Die Therapie der AMD

Die Therapie der trockenen AMD

Bisher gibt es leider keine Therapie, mit der die trockene Form der AMD zum Stillstand gebracht werden kann und bereits vorhandene Schäden der Netzhaut rückgängig gemacht werden können. Die vom National Eye Institute (USA) durchgeführte ARED-Studie (Age-Related Eye Disease Study) zeigte jedoch, dass durch hohe Tagesdosen an Antioxidanzien (eine Kombination von Spurenelementen und Vitaminen, u. a. Lutein und Zeaxanthin) sowie Zink das Fortschreiten der Erkrankung bei einem Teil der Patienten verlangsamt werden konnte. Sobald die Netzhautveränderungen das Anfangsstadium überschritten haben, empfehlen wir unseren Patienten daher die regelmäßige Einnahme von sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln und eine ausgewogene, gesunde Ernährung, um den Übergang einer trockenen AMD mit Hochrisikomerkmalen in eine fortgeschrittene AMD zu bremsen.

Mediterrane Ernährung (© Fotolia/Lsantilli)

Wir empfehlen eine mediterrane Ernährung (Mittelmeerdiät)

Die Therapie der feuchten AMD

Bei der feuchten AMD kommt es durch die Gefäßneubildungen und den Austritt von Flüssigkeit zu einer Vernarbung der Makula und damit zu einem Verlust des zentralen Gesichtsfeldes.

Glücklicherweise gibt es in der Augenheilkunde seit dem Jahre 2006 eine sehr wirksame Therapie der feuchten AMD. Bei den sogenannten VEGF-Hemmern handelt es sich um Antikörper, die die Gefäßneubildung hemmen und damit auch zu einer Rückbildung der Flüssigkeit führen. Indem die Netzhaut wieder „trocken“ wird, kann häufig eine Verbesserung der Sehleistung erzielt werden. 

Anti-VEGF wird in den Glaskörperraum im Augeninneren eingebracht (intravitreale Injektion), wo es seine Wirkung entfalten kann.  Der Eingriff wird in unserem OP sehr kontrolliert unter sterilen Bedingungen durchgeführt und dauert nur wenige Minuten. Auch wenn Patienten verständlicherweise Respekt davor haben, eine Spritze ins Auge zu bekommen, müssen Sie keine Angst vor dem Eingriff haben. Unsere Abläufe sind sehr gut standardisiert und wir führen jedes Jahr weit über 1000 intravitreale Injektionen durch.

Anti-VEGF Therapie
Unter der Anti-VEGF Therapie kommt es zu einer Rückbildung der feuchten Netzhautveränderungen, wie sich eindrucksvoll in diesem Video von James Talks, UK (Quelle: Bayer) verfolgen lässt. Gezeigt werden die Optischen Kohärenztomographie-Aufnahmen im Verlauf von 14 Monaten. In diesem Zeitraum wurde 8 x Anti-VEGF injiziert.



Diagnoseverfahren im Institut für Augenheilkunde Halle

WTDF

Amsler-Gitter-Test

Das Amsler Gitter ist ein guter Test, der wichtige Hinweise auf mögliche Veränderungen der Netzhaut gibt und auch zuhause von den Patienten durchgeführt werden kann. Sie können sich hier den Amsler-Gitter-Test zum Selbstausdruck herunterladen.

Amsler-Gitter-Test
WTDF

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Die Untersuchung dauert wenige Minuten und Ihr Auge wird bei der Untersuchung nicht berührt. Mit Hilfe einer schwachen, vollkommen unschädlichen Lichtquelle wird Ihre Netzhaut abgetastet und im Querschnitt dargestellt.

SPECTRALIS (Heidelberg Engineering)
WTDF

Fluoreszenzangiografie

Ein gelber Farbstoff, Fluoreszein, wird in eine Armvene gespritzt. Der Farbstoff verteilt sich und kommt nach wenigen Sekunden auch in den Gefäßen der Netzhaut an. Nach Anregung des Farbstoffes mit blauem Licht lassen sich Aufnahmen der Blutgefäße machen.


Infonachmittag zum Thema AMD

Halle/Elisabeth-Krankenhaus/Elisabeth-Saal, 6. Oktober 2016

Am 6. Oktober 2016 fand ein Infonachmittag zum Thema altersbedingte Makuladegeneration statt. Fast 150 Interessierte aus Halle und Umgebung folgten der Einladung, mehr über die Erkrankung zu erfahren.

Prof. Dr. Gernot Duncker und Dr. Tobias Duncker stellten in Ihren Vorträgen die modernen Untersuchungsmethoden zur Erkennung der trockenen und feuchten Makuladegeneration vor, informierten über Behandlungsmöglichkeiten und beantworteten ausführlich Fragen des Publikums.

Das Programm des Infonachmittages wurde abgerundet durch einen Vortrag der Beratungsstelle „Blickpunkt Auge“ über Hilfsmöglichkeiten bei der Beantragung von Blindengeld und Schwerbehindertenausweis und Vorträgen zu Korrekturmöglichkeiten mit vergrößernden Sehhilfen durch der Firma Eschenbach und Mäder-Optik aus Halle.

Die nächste Veranstaltung dieser Art plant das Makula Zentrum für den 23. März 2017 an gleicher Stelle. HIER KÖNNEN SIE SICH ANMELDEN.

Prof. Duncker bei der Analyse der Erkrankungen
Vergrößernde Sehhilfen in einer Ausstellung zum Testen
AMD: Ein Thema, dass immer mehr Menschen höheren Alters betrifft
Prof. Duncker und Dr. Tobias Duncker stellen sich den Fragen des Publikums
Dr. Tobias Duncker erzählt von den neuen Diagnosemöglichkeiten des Instituts
Nehmen Sie ruhig Kontakt auf! Die Informationen sollten Sie sensibilisieren
Im anschließenden Gespräch finden Betroffene und Angehörige Rat
 

Experteninterview

Redaktion: Sehr geehrter Herr Dr. Duncker, Frau Rautenberg ist zurück aus der Elternzeit und nun betreuen zwei Augenärzte die Patienten des Makula Zentrums. Hat sich denn die Zahl an Netzhauterkrankungen drastisch erhöht?

Tobias Duncker: Viele Netzhauterkrankungen treten gehäuft im Alter auf. Durch die steigende Lebenserwartung und den demographischen Wandel ist es tatsächlich so, dass die Zahl der Netzhauterkrankungen perspektivisch zunimmt. Das merken wir auch an den steigenden Patientenzahlen im Makula Zentrum.

Seit Frau Rautenberg aus der Elternzeit zurück ist, sind wir personell sehr gut aufgestellt und können von Montag bis Donnerstag jeweils von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr und am Freitag von 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr durchgehend Termine im Makula Zentrum anbieten. Dadurch sind wir jetzt imstande, jeden Tag eine umfangreiche Diagnostik der Netzhaut mit Optischer Kohärenztomographie (OCT) und Fluoreszenzangiographie durchzuführen.

Es ist uns aus mehreren Gründen wichtig, ausreichend Sprechstundenzeiten vorzuhalten. Zum einen sind bei der Therapie bestimmter Netzhauterkrankungen engmaschige Kontrollen entscheidend für den bestmöglichen Behandlungserfolg. Zum anderen ist eine schnelle Terminvergabe insbesondere auch bei Patienten von Bedeutung, die erstmalig eine Verschlechterung der Sehleistungen und Verzerrungen des Gesichtsfeldes (Metamorphopsien) bemerkt haben. Studien zeigen, je später Patienten mit neu festgestellter feuchter altersbedingter Makuladegeneration (AMD) behandelt werden, desto niedriger ist die Chance, die Sehleistung wieder deutlich zu verbessern. Zeit ist daher für den Behandlungserfolg ein ganz entscheidender Faktor, dem wir jetzt mit zwei Ärzten im Makula Zentrum in besonderer Weise nachkommen können.

Red: Viele Patienten, die sich bei Ihnen notfallmäßig vorstellen, kommen von weiter her. Ist eine Behandlung mittels intravitrealer Injektion im Notfall auch am selben Tag möglich? 

TD: Wenn Patienten über eine akute Sehverschlechterung klagen, versuchen wir notfallmäßig so schnell wie möglich einen Termin anzubieten. Wir halten immer auch einige Notfallspritzen in unserem OP bereit, so dass wir in bestimmten Fällen noch am selben Tag eine intravitreale Injektion durchführen können. Unser Personal ist hierauf eingestellt. Das ist ein besonderer Service, der so nur an wenigen Stellen geboten wird. 

Red: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Augenärzten, die ihre Patienten an das Makula Zentrum überweisen?

TD: Wir freuen uns über das Vertrauen, wenn Kollegen Patienten zu uns überweisen. Bei der ersten Untersuchung führen wir eine Bildgebung der Netzhaut mittels Optischer Kohärenztomographie (OCT) durch. Je nach Befund erfolgt zusätzlich eine Fluoreszenzangiographie. Nach der Untersuchung bekommen die Patienten einen Brief mit ihren Befunden ausgehändigt und wir geben eine Therapieempfehlung ab.

Bei der Therapie der fechten AMD werden am Anfang 3 Spritzen (intravitreale Injektionen) im Abstand von 4 Wochen durchgeführt. Der Eingriff findet unter sterilen Bedingungen in unserem OP statt, ist in der Regel schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Die Nachkontrollen am Tag nach dem Eingriff erfolgen bei den zuweisenden Kollegen.

Vier Wochen nach der letzten Spritze findet dann erneut eine OCT-Untersuchung im Makula Zentrum statt, um den Behandlungserfolg zu überprüfen. 

Ziel ist, dass sich die feuchten Netzhautveränderungen unter der Therapie zurückbilden und die Makula wieder „trocken“ wird. Dieses Ziel wird häufig bereits nach den ersten 3 Spritzen erreicht. Da es sich um eine häufig chronisch-verlaufende Erkrankungen handelt, kann sich der Befund im Verlauf wieder verschlechtern und die Netzhaut kann erneut „feucht“ werden. Wir empfehlen daher regelmäßige OCT-Untersuchungen, um eine Verschlechterung des Netzhautbefundes möglichst frühzeitig festzustellen – im Idealfall bevor die Patienten selbst eine Verschlechterung der Sehleistung wahrnehmen. 

Ein großer Vorteil des Makula Zentrums ist, dass Diagnostik und Therapie aus einer Hand erfolgen. Dadurch können zeitliche Verzögerungen zwischen Diagnosestellung und Therapiebeginn minimiert werden, was - wie eingangs bereits erwähnt-  für die langfristigen funktionellen Ergebnisse durchaus von Bedeutung ist.

Dr. med. Tobias Duncker & Anne Rautenberg

Red: Wie kam es zur Gründung des Makula Zentrums? 

TD: Vor etwa 10 Jahren wurde Anti-VEGF erstmals für die Therapie der feuchten AMD am Auge angewendet. Die Medikamente haben innerhalb kürzester Zeit die Behandlung mehrerer Netzhauterkrankungen revolutioniert. Plötzlich konnte Patienten geholfen werden, für die es bis dato keine vergleichbar effektive Therapie gab und die vorher häufig innerhalb weniger Monate funktionell erblindeten.

In den ersten Jahren konnten nur wenige Zentren in der Region die Anti-VEGF Therapie anbieten und es gab einen deutlichen Versorgungsengpass. Ursache hierfür war u. a., dass für die Anti-VEGF Therapie eine gewisse Infrastruktur vorliegen muss mit den entsprechenden diagnostischen Geräten und einem OP. Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender organisatorischer Aufwand für die Bestellung der Medikamente und vieles mehr. Dies kann man in der normalen Praxisroutine nur schwer umsetzen. Daher wurde vor 7 Jahren das Makula Zentrum gegründet und ganz weitsichtig entschieden, dass man sich hier speziell auf Makula-Erkrankungen konzentriert und eine Spezialsprechstunde mit einem geschulten Team von Mitarbeitern bereithält.

Red: Sie erwähnten die besondere technische Ausstattung in der Diagnostik …

TD: Wir verwenden seit Juli 2015 das Spectralis OCT der Firma Heidelberg Engineering; eines der besten Geräte für die Diagnostik von Netzhauterkrankungen auf dem Markt. Ohne das Auge zu berühren wird die Netzhaut innerhalb kurzer Zeit mit einem für das Auge ungefährlichen Laser abgetastet und es entstehen hochauflösende Bilder der Netzhaut. Im OCT, einer Querschnittsaufnahme der Netzhaut, werden Veränderungen der einzelnen Netzhautschichten dargestellt. So untersuchen wir u. a. auch die Sinneszellen im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens. Das Gerät merkt sich den Verlauf der Gefäße der Netzhaut und kann dadurch an exakt den gleichen Netzhautstellen die Aufnahmen beim nächsten Besuch wiederholen. So stellen wir auch kleinste Veränderungen im Mikrometerbreich fest und passen die Therapie dementsprechend an.

Auch wenn der Patient subjektiv noch keine Verschlechterung wahrnimmt, sind wir ganz frühzeitig in der Lage, angemessen zu therapieren. Je besser die Technik und je besser man diese beherrscht und auszunutzen versteht, umso präziser sind Diagnose und Therapie. Dies stellt natürlich einen erheblichen Vorzug unseres Makula Zentrums dar.  

Red: Sind die intravitrealen Injektionen das Mittel der Wahl bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD)? Wie ist der Therapieverlauf, wenn die genannten intravitrealen Injektionen nicht die gewünschte Reaktion hervorrufen oder der Patient nicht darauf reagiert?

TD: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der trockenen Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) und der feuchten Form der AMD. Bei der trockenen Form der AMD gibt es ein relativ breites Spektrum von Netzhautveränderungen. Die Frühform der AMD ist gekennzeichnet durch kleine Ablagerungen von Stoffwechselabfällen unter der Netzhaut, die als Drusen bezeichnet werden. Die Sehleistung ist hierdurch meist nicht signifikant eingeschränkt. 

Bei der trockenen Spätform der AMD, der „geografischen Atrophie“, kommt es zu einem Absterben der Sinneszellen im Bereich der Netzhautmitte. Hierdurch fallen Teile des zentralen Gesichtsfeldes aus und es wird zunehmend schwierig, Gesichter zu erkennen und Zeitung zu lesen. Für die trockene Form der AMD gibt es bisher keine Therapie, um die bereits vorhandenen Netzhautveränderungen rückgängig zu machen oder die abgestorbenen Teile der Netzhaut zu ersetzen. Studien zeigen jedoch, dass der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden kann durch die Einnahme von sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln, einer Kombination von Vitaminen und Spurenelementen mit antioxidativer Wirkung. 

Patienten mit trockener AMD klären wir immer darüber auf, dass die Erkrankung plötzlich in die feuchte Form der AMD übergehen kann, die unbehandelt schnell zu einer Sehverschlechterung führt. 

Bei der feuchten AMD wachsen neue abnormale Blutgefäße aus der Aderhaut (sogenannte "choroidale Neovaskularisationen", CNV) unter die Makula. Aus diesen neuen, undichten Gefäßen tritt Flüssigkeit unter und in die Netzhaut, was eine Schwellung der Netzhaut zur Folge hat. Zusätzlich kann es zu Blutungen aus den abnormalen Blutgefäßen kommen. Diese „feuchten“ Netzhautveränderungen führen zu einer Verzerrung des auf die Netzhaut geworfenen Bildes. Gerade Linien werden dabei von Patienten als gebogene Objekte wahrgenommen (sogenannte "Metamorphopsien") und im Gesichtsfeld befinden sich „graue" oder "blinde" Flecken.

Für die feuchte AMD gibt es seit ca. 10 Jahren eine effektive Therapie: die Gabe von Anti-VEGF in den Glaskörperraum im Inneren des Auges. Bei diesen Medikamenten handelt es sich um Antikörper, die einen Botenstoff blockieren, der für das Einwachsen neuer krankhafter Blutgefäße unter die Netzhaut verantwortlich ist. Mittlerweile gibt es drei zur Verfügung stehende Anti-VEGF Präparate:

  • Avastin (Bevacizumab)
  • Lucenits (Ranibizumab)
  • Eylea (Aflibercept)  

Zulassungsstudien für die Anwendung am Auge haben nur Lucentis und Eylea durchlaufen, wobei grundsätzlich mit allen drei Medikamenten gute Behandlungserfolge erzielt werden können.

Zeigt ein Medikament nicht die erwünschte Wirkung und die Netzhaut wird nicht „trocken“, kann ein Wechsel auf ein anderes Präparat Sinn machen. Leider gibt es gelegentlich auch Fälle, wo ein trockener Makulabefund auch nach Wechsel der Therapie nicht erreicht wird. 

Ist die Sehleistung im Spätstadium der Erkrankung stark abgesunken, kann teilweise durch die Anpassung von vergrößernden Sehhilfen noch eine Verbesserung erzielt werden. 

Viele Patienten haben große Angst, vollständig zu erblinden und sind erleichtert, wenn wir ihnen erklären, dass sich die AMD vorwiegend in der Netzhautmitte abspielt. Das periphere Sehen und die Orientierung im Raum bleiben in der Regel dauerhaft erhalten.

Red: Gibt es etwas, das man als Patient tun kann, um eine Verschlechterung der Netzhaut zu vermeiden?

TD: Wichtig ist, dass Patienten mit trockener AMD ein Verständnis dafür entwickeln, dass die Erkrankung plötzlich in die feuchte Form der AMD umschlagen kann. Wir weisen daher ausdrücklich darauf hin, dass bei einer Verschlechterung der Sehleistung oder einer Zunahme von Metamorphopsien im Amsler-Test eine sofortige Vorstellung bei uns erfolgen sollte. 

Auch bei trockenen Makulaveränderungen halten wir OCT-Untersuchungen in regelmäßigen Abständen für sinnvoll. Durch die gesammelten Daten lässt sich eine Ausssage treffen, wie schnell die Erkrankung fortschreitet. 

Die trockene AMD wird durch verschiedenen Faktoren beeinflusst. Einige dieser Faktoren kann man positiv beeinflussen, beispielsweise indem man nicht raucht, sich gesund ernährt bzw. Nahrungsergänzungsmittel verwendet und übermäßige Sonneneinstrahlung vermeidet, wie durch das Tragen von Lichtschutzbrillen im Sommer.  

Red: Vielen Dank für Ihre Zeit und diesen persönlichen Einblick!

Anne Rautenberg

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